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Kennst du den Ort, der nicht in Worten spricht, sondern in erdigen Düften, Vogelgesang und Windspielen? Ein Spaziergang (am frühen Morgen) durch einen unberührten Wald beweist es: Natur ist keine Kulisse. Sie ist ein präsenter, heilsamer Raum. Leise, aber nicht stumm. Sie kann uns den Weg aus dem Kopf zurück ins Herz zeigen. 

 

In unserer schnelllebigen Welt werden unsere Gedanken durch elektronische Nachrichten übertönt, der Himmel von flackernden Bildschirmen überstrahlt und Gespräche durch Textnachrichten oder E-Mails ersetzt. 

Fast exotisch ist es, einen Baum anzuschauen oder sogar zu umarmen – ganz ohne Absicht – ohne Hektik – ohne WLAN. 

Unser Kern trägt Erinnerungen an Landschaften mit Flüssen, Wäldern, Bergen und Meer. 

Unsere Psyche benötigt mehr als Beton, Plastik und Kunstlicht. 

Wissenschaftliche Studien belegen, dass achtsame Aufenthalte im Wald den Blutdruck positiv beeinflussen, Stresshormone signifikant senken und unser Immunsystem stärken. 

Das Waldbaden – in Japan als Shinrin Yoku bezeichnet – wirkt positiv auf Körper, Geist und Seele – und zwar nachhaltig. 

Wenn wir mit nackten Füßen über eine saftige Wiese laufen oder unter einer Baumkrone sitzend dem Blätterrauschen lauschen, geschieht mit uns ganz tief im Inneren etwas. 
Die Natur lässt uns sein, so wie wir sind. Sie bewertet nichts und niemanden. Sie zwingt Pflanzen nicht schneller zu wachsen, lässt alles in bestimmten Rhythmen aufeinanderfolgen: Hell und Dunkel, Warm und Kalt, Nass und Trocken… 
Wir brauchen die Natur. Aber sie braucht uns nicht. 
Genauso ist es mit dem Wald. Er ist ein Meister der Regeneration, wenn wir ihn lassen. 

Im Vergleich zur städtischen Reizüberflutung dürfen wir im Wald eine Reizentflutung erleben. Unser Nervensystem darf sich entspannen. Der Wald schenkt uns Raum für unsere persönliche Auszeit. 

Es stellt sich also weniger die Frage, ob der Wald uns helfen kann, sondern warum wir vergessen haben, dass er uns so gut tut. 

Vielleicht liegt es daran, dass er ganz leise ist. Er könnte Saiten in uns zum Schwingen bringen, die etwas in uns verändern könnten.